Die Situation der Frauen ist weniger ungerecht als unlogisch. Im Parlament war
einmal von der ansteigenden Überfallsquote auf Frauen die Rede;ein (der extrem
religiösen Partei zugehöriger) Minister schlug vor, eine Sperrstunde
einzuführen, nach der Frauen nicht mehr auf die Strae gehen sollten. Mein
Vorschlag war es, den Männern das Ausgehen zu verbieten - schließlich sind sie
es ja, die die Frauen überfallen." (Golda Meir) Seit der Staatsgründung
1948 hat der Staat Israel durch seine liberale, nichtdiskriminatorische
Gesetzgebung all seinen weiblichen Bürgern weitgehende Zivilrechte gesichert.
Die Realität der israelischen Frauen wird allerdings sehr stark auch von der ständigen Notwendigkeit zur Landesverteidigung und vom alles beherrschenden Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit geprägt. Ebenso ist sie bestimmt von Kompromissen zwischen den religiösen und weltlichen Einflüssen im öffentlichen Leben und ist, wie der Staat selbst, eine einmalige Mischung aus Widerspruch und Fortschritt. Am stärksten betroffen von der fortschreitenden Gleichberechtigung der Frau während der letzten 40 Jahre waren die Einwanderinnen aus Asien und Nordafrika.
Für sie vollzieht sich oft innnerhalb nur einer Generation die Entwicklung von feudaler Unterwerfung zur aktiven Beteiligung der Frau am Aufbau einer modernen Gesellschaft. Seit den Sechzigerjahren hat sich der Anteil der Studentinnen an den israelischen Universitäten verdreifacht; ihre Zahl nimmt von Jahr zu Jahr merklich zu.
Fast alle Frauen leisten zwei Jahre Militärdienst - Israel ist das einzige Land der freien Welt,in dem allgemeine Wehrpflicht für Frauen ebenso wie für Männer besteht. Obwohl orthodoxe Frauen sich davon befreien lassen können, dienen viele von ihnen in speziellen Einheiten (Nachal genannt), deren Aufgabe eine Mischung aus Militärdienst und Landwirtschaftsarbeit in Grenzsiedlungen ist. Andere leisten freiwilligen Zivildienst in Schulen und Krankenhäusern. Über den Status arabischer Frauen etwas Allgemeines auszusagen, ist schwieriger, da diese noch viel stärker von der ökonomischen Situation und der Tradition der Familie, sowie religiösen Vorschriften und Regeln der Gemeinschaft abhängig sind.
Nach dem Gesetz besitzen arabische Frauen jedenfalls, genau wie alle anderen Frauen in Israel, sämtliche gesetzmäßig verankerten Rechte auf Ausbildung, Besitz von Eigentum, sowie freie Wahl des persönlichen Standes. In der Praxis allerdings sind die Entscheidungen, die dazu führen, ob eine arabische Frau frei ihre Ausbildung wählt, eine Karriere plant und verfolgt, Eigentum besitzt oder sogar nur ein Auto fährt, stark mitbestimmt von jahrhundertealten, schon lange vor ihrer Geburt tätigen Zwängen.
Immer mehr Frauen treten ins Berufsleben ein und bleiben auch darin. Sie sind in ihrem beruflichem Weiterkommen weitgehend den Männern gleichgestellt, wenngleich auch der Eindruck entsteht, daß Frauen benachteiligt werden, wenn es um ihre Behauptung in Spitzenpositionen geht. Obwohl Israels Frauen ebenso um ihre Gleichberechtigung kämpfen wie ihre Schwestern in Amerika und Europa, haben sie dafür meistens weniger radikale Mittel angewandt.
Nichtsdestoweniger sind die grundsätzlichen, emanzipatorischen Ziele der
Frauenbewegung seit Jahrzehnten wichtiger Bestandteil der Programme mehrerer
wichtiger Frauenvereine, unter deren Mitgliedern Frauen aus praktisch allen
sozialen und ökonomischen Gruppen Israels zu finden sind. Frauen, die in Israel
alleine unterwegs sind (und das sind sehr viele), sollten ein paar Dinge
wissen: - Der einzige Ort, an dem sich Frauen alleine wirklich unbehaglich
fühlen können, sind die Nachtklubs in den größeren Städten. - Israel ist ein
Mittelmeerland, was bedeutet, daß Pfeifen, Gemurmel und auch nachgerufene
Kommentare, vor allem von jungen Männern, nichts Ungewöhnliches sind. - In den
arabischen Gegenden (Jerusalemer Altstadt, Akko, Nazareth, Hebron u.s.w.)
herrschen moslemische, d.h. traditionellere und sittenstrengere, Bräuche.
Allein die Art, wie sich westliche Frauen kleiden, kann in einer Umgebung, in
der man an den Anblick verschleierter Frauen gewöhnt ist, schon anstößig
wirken. Knappe Bekleidung kann zu Mißverständnissen mit schlimmen Folgen
führen! - Vom Autostoppen wird abgeraten!