GESCHICHTE

ZEITTAFEL

 

Prähistorische Perioden:

Paläolithikum (Altsteinzeit) 50000 - 15000 v.Chr.
Mesolithikum (Mittelsteinzeit) 5000 - 8000 v.Chr.
Neolithikum (Jungsteinzeit) 8000 - 4000 v.Chr.
Chalkolithikum 4000 - 3150 v.Chr.

Historische Perioden:

Frühe Bronzezeit 3150 - 2200 v.Chr.
Mittlere Bronzezeit (Patriarchen) 2200 - 1550 v.Chr.
Späte Bronzezeit (Moses und Josua) 1550 - 1200 v.CHr.
Eisenzeit (Israeliten) 1200 - 587 v.Chr.
Zerstörung des Ersten Tempels 587 v.Chr.
Babylonische und Persische Herrschaft 587 - 322 v.Chr.
Hellenistische Periode 322 - 167 v.Chr.
Hasmonäerreich 167 - 63 n.Chr.
Römerherrschaft 63 v.Chr. - 324 n.Chr.
Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n.Chr.
Byzantinische Periode (Christentum) 324 - 640 n.Chr.
Einfall der Perser 614 - 628 n.Chr.
Früharabische Periode 640 - 1099 n.Chr.
Kreuzfahrerreich 1099 - 1291 n.Chr.
Mameluckenherrschaft (Moslemisch) 1292 - 1516 n.Chr.
Osmanisches Reich (Türkisch) 1516 - 1917 n.Chr.
Erste Jüdische Einwanderungswelle 1878 n.Chr.
Erster Zionistischer Kongreß 1897 n.Chr.
Britisches Mandat 1917 - 1948 n.Chr.
Gründung des Staates Israel 14.Mai 1948
Sinai Feldzug 1956
Sechstagekrieg 1967
Jom-Kippur-Krieg 1973
Israelisch-Ägyptischer Friedensvertrag 1979
Operation "Frieden für Galiläa" 1982
(Libanonfeldzug)

 

VON DER FRÜHZEIT BIS ZU DEN PATRIARCHEN, 1600 v.CHR.

 

Die ältesten Aufzeichnungen über das Leben im Heiligen Land bergen noch keinerlei Hinweise auf die zentrale Rolle, die es im Laufe der Weltgeschichte noch spielen sollte. Urmenschen jagten Elefanten, Hirsche und Nashörner und stellten in ihren Höhlen einfache steinerne Geräte her. Um 35000 v.Chr zogen die Höhlenbewohner an die Seen und Flüsse um zu fischen, in den Negew um zu jagen. Vor etwa 11000 Jahren zogen sie in die Oase von Jericho und errichteten dort die ersten uns heute bekannten, festen Wohnsitze. Die in einer Höhle der judäischen Wüste gefundenen Kupfergegenstände aus dem 4. Jahrtausend sind von vollendeter Schönheit und zeugen von den künstlerischen, handwerklichen und geistigen Fähigkeiten der Menschen jener Zeit. Dann kamen von den Wüsten Arabiens die Kanaaniter, jenes Volk, das diesem Brückenkopf zwischen Asien und Afrika seinen Namen geben sollte. Über weite Teile des Landes verstreuten sie ihre Stadtstaaten, von denen nur wenige in die Geschichte der folgenden Eroberungen eingingen.

 

VON DEN PATRIARCHENBIS JOSUA, 1300 v.CHR.

 

Im 16. Jahrhundert v.Chr., als die Kanaaniter in ihren steinernen Tempeln gerade einer Unzahl von Götzen dienten, zogen aramäische Nomaden über den Euphrat in das Land Kanaan. Es waren diese die Ivrim (Hebräer), deren Name entweder von Ever stammt, dessen Nachfahren sie waren, oder aber von "Ever ha-Nahar" ("Über den großen Fluß") abgeleitet ist. Einer dieser Nomaden war Abraham, der im Gegensatz zu seinen polytheistischen Nachbarn an einen einzigen, allmächtigen und unsichtbaren Gott glaubte. Über die Berge von Judäa und Samaria gelangte er in den Negew, wo er wegen seiner großen Schaf- und Ziegenherde bei vielen Neid und Haß erweckte. Trotzdem konnte er ungestört seinem Gott dienen. Überall errichtete er Altäre und wurde auch vom Fürsten Jerusalems willkommen geheißen. In Hebron, wo er für sein Familiengrab ein Grundstück erwarb, brachten ihm die Hittiter große Ehrfurcht entgegen. Die Genesis erzählt von seinem Bund mit Gott, ihm, seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob (Israel) verhieß Gott das Land Kanaan als Land ihrer Nachkommen. Etwa 200 Jahre vor den Patriarchen brachen die Hyksos, ein Volk aus dem Norden (vielleicht aus Syrien), mit Pferdegespannen ein und eroberten Ägypten und große Teile Palästinas. Sie waren es, die das Land beherrschten, als Abrahams Urenkel Joseph von seinen 11 Brüdern als Sklave verkauft und in Ägypten dann zum Kanzler des ganzen Reiches wurde. Eine Hungersnot vertrieb seine Familie aus Kanaan und nach der Versöhnung mit Joseph gelangten die Hebräer in Ägypten zu einigem Wohlstand. Nach dem Sturz der Hyksos jedoch kam es zur Versklavung der 12 Hebräerstämme, denen es erst wieder im 14. Jahrhundert v.Chr. gelang, sich unter der Führung von Moses zu befreien.

 

VON MOSES BIS ZUM VEREINTEN KÖNIGREICH,1000 v.CHR.

 

Vierzig Jahre lang führte Moses die Hebräer durch die Wüste Sinai und Negew. Ihre gemeinsame Abstammung und der Glaube an ihren Gott waren es, die diese von Mühsal und Ängsten gepeinigte Gemeinschaft zusammenhielten. Als sie sich in der Oase Kadesch Barnea, nahe der Südgrenze Kanaans niederließen, schickte jeder der 12 Stämme einen Kundschafter voraus, die alle beim Anblick der riesengroßen Menschen und der befestigten Städte, die sie in Kanaan vorfanden, zutiefst erschraken. Es dauerte fast eine Generation, ehe die Scharen der Hebräer zu einer disziplinierten, für den Kampf gerüsteten Einheit zusammenschmolzen. Dann drangen sie von Osten her nach Kanaan ein und zerstörten Jericho, die älteste befestigte Stadt der Welt. Unter ihrem neuen Führer Josua eroberten sie den größten Teil des Landes, doch weit davon entfernt, einen Blitzkrieg zu feiern, ließen sie ganze Teile Kanaans unberührt. Als das Blutvergießen zu Ende war, versammelte Josua die Stämme Israels in Silo und teilte das eroberte Land in zwölf Stammesgebiete auf. Später trafen sie sich in Schechem (Nablus) zur Erneuerung des Sinai-Bundes. Die folgenden 200 Jahre waren durch Zusammenstöße mit anderen Eindringlingen und inneren Zwist gekennzeichnet; doch stets, wenn die Gefahr am größten war, erhoben sich welche, um die Stämme zu einen, und an ihrer Spitze den gemeinsamen Feind zu bekämpfen - die Richter Israels. Die wachsende Bedrohung durch die Philister, die im 12. Jahrhundert aus der Ägäis nach Kanaan eingedrungen waren, ergab die Notwendigkeit, sich in einer Monarchie zu vereinigen. So kam es, daß Samuel den Saul zum König salbte. Saul erwies sich zunächst als geschickter Führer, doch verlor er bald an Ansehen. Als David, der Hirtensohn, den riesenhaften Philister Goliath besiegte, gerieten Sauls einst errungene Siege rasch in Vergessenheit.

 

VOM VEREINIGTEN KÖNIGREICH BIS ZUM BABYLONISCHEN EXIL,586 v.CHR.

 

Saul fiel im Kampf gegen die Philister, sein Sohn wurde ermordet. Nun vereinigten sich die Stämme Israels unter David, der zunächst einmal sieben Jahre lang das Land von Hebron aus regierte. In einer Reihe militärischer Aktionen, gelang es David, die Feinde zu überwältigen und sie aus dem Land zu vertreiben. Die Grenzen des judäischen Königreiches reichten nun weit über den Jordan hinaus: das Land erstreckte sich vom Euphrat im Norden bis zum Golf von Elat im Süden. Es waren nicht allein die gewonnenen Schlachten oder die wundervoll lyrischen Psalmen, ja nicht einmal der wunderbare Aufstieg aus den Ställen in den Palast, die Davids Ruhm begründeten; es waren die Eroberung Jerusalems und sein Entschluß, die Stadt zum Zentrum des jüdischen Volkes zu machen, die David in die Geschichte eingehen ließen. Die "Davidstadt" südlich der heutigen Altstadtmauern wurde die politische und geistige Hauptstadt des Reiches. Von einem Weizendrescher erwarb David auch noch den anliegenden Berg Moriah und errichtete hier am Ende seiner Herrschaft einen Opferaltar. David hinterließ seinem Sohn Salomon ein friedliches und befestigtes Königreich, das dieser noch weiter ausbaute und zu allgemeinem Ruhm erhob. Salomon scheute weder Geld noch Mühe, um am Berg Moriah eines der Wunder des Altertums zu errichten - den Tempel von Jerusalem. Auf eben dem Felsen erbaut, auf dem laut Überlieferung Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, wurde der Salomonische Tempel zum Mittelpunkt jüdisch-nationalen und religiösen Lebens. Dort etwa, wo heute Elat liegt, gründete Salomon eine große Handelsflotte, durch die kostbare Güter aus Arabien und dem fernen Osten ins Land eingeführt werden konnte. Auch errichtete König Salomon stark befestigte und reich ausgeschmückte Königsstädte: Hasor, Megiddo und Geser. Der Geist der Zeit spiegelte sich auch in einer großen Literatur wider, die der König selbst um einige Werke bereichert hat. Salomons Politik beruhte freilich auf einer gewaltigen Besteuerung, die das Volk zu seinen Lebzeiten zwar noch hinnahm, gegen die es sich aber nach Salomons Tod auflehnte. Salomons Sohn und Nachfolger Rechobam kündigte sogar noch höhere Steuern an. Dies führte zur Spaltung des Reiches: die nördlichen Stämme traten aus dem Bund aus und riefen in Schechem (Nablus) das Königreich Israel aus. Dieses Königreich bestand etwa 200 Jahre, in deren Verlauf die Hauptstadt nach Samaria, dem späteren Sebastia verlegt wurde. Einige Könige verleiteten das Volk sich dem heidnischen Gott Baal zuzuwenden. König Ahab und dessen berühmte Gattin Jesabel errichteten einen Elfenbeinpalast, dessen dekadente Pracht den Propheten Elias so aufbrachte, daß er die "Trunkenbolde Efraims" verfluchte. Und doch hatte diese Zeit auch ihre positiven Seiten: sie brachte eine Handvoll Menschen mit Weitsicht und Glaubenstreue hervor, Menschen von außergewöhnlicher Rechtschaffenheit, die fest an ihren Glaubensbekenntnissen festhielten und den Mut aufbrachten , die Mächtigen im Lande für ihre Sünden zu tadeln. Es waren dies die Propheten: Elias, Elisa, Jeremia, Jesaja, Hosea, Amos, Micha, Habakuk. Es kam schließlich zur Zerstörung des Königreiches Israel durch die Assyrer, 722 v.Chr. Die meisten seiner Bewohner wurden des Landes verwiesen, Fremde dort angesiedelt; zehn der Stämme Israels waren so für immer verschollen. Dem Reiche Juda, das weniger innenpolitische Schwierigkeiten hatte, erging es etwas besser. Dennoch wurde es im 8. Jahrhundert v.Chr. von den Assyrern unter der Führung des Sancherib überrannt. König Hiskia bereitete sich in Jerusalem schon auf die Belagerung vor, als die Angreifer, von einer Seuche befallen, flohen. Später mußte das Königreich Juda jährliche Abgaben an Babylon leisten, bis König Zedekia versuchte, dieses Joch abzuschütteln. Die Folgen waren verheerend: 586 v.Chr. stürmte Nebukadnezar die Hauptstadt, zerstörte den Tempel und nahm den größten Teil der Menschen gefangen.

 

VOM EXIL BIS ZU DENRÖMERN, 63 v.CHR.

 

Babylon fiel unter persische Herrschaft; König Cyrus gab 538 v.Chr. die jüdischen Gefangenen frei und gestattete ihnen die Rückkehr in die Heimat, wo sie sich unter der Führung Serubabels und angespornt von einer neuen Generation von Propheten (wie z.B. Haggai und Sacharja) an den Wiederaufbau des Tempels machten. Selbst im Exil hatten die Hebräer an ihrer Religion und ihrem Weltbild festgehalten; verlorengegangen waren die Stammesunterschiede und so wurden sie, wegen ihrer Zugehörigkeit zum Königreich Juda, als Juden bekannt. Ein Jahrhundert später kehrte Nehemia aus dem Exil zurück, wurde Statthalter von Jerusalem und machte sich sogleich an den Wiederaufbau der Stadtmauern. Zur selben Zeit gab der Schriftgelehrte Esra dem Volk neuen religiösen und geistigen Aufschwung. Er war es, der den jüdischen Geist wieder belebte, und dem viele Gelehrte die Redaktion der Fünf Bücher Moses, des Hohelieds, der Bücher Ruth und Hiob, des Kohelet und vieler lyrischer Psalmen zuschreiben. Mit dem kometengleichen Aufstieg Alexanders von Makedonien nahm 334 v.Chr. die Persische Herrschaft ein jähes Ende. Blitzartig schnell zog er durch Palästina, siedelte in weiten Teilen Samarias Griechen an und eroberte Ägypten. Nach seinem Tod wurde das Reich zwischen rivalisierenden Familien der Seleukiden (mit Sitz in Syrien) und den Ptolomäern (in Ägypten) aufgeteilt, wobei Palästina zwischen den beiden lag. 198 v.Chr. fiel schließlich in der Schlacht bei Paneas (Banias) das Land den Seleukiden zu. Der Einfluß griechischer Kultur wurde immer deutlicher. Sie fand zunächst wegen ihrer Ordnung, ihrer ausgewogenen Lebensform und nicht zuletzt ihrer weltlichen Genüsse wegen großen Anklang. Doch mit Antiochus setzte 175 v.Chr. dann die Reaktion ein: eitel und fanatisch der griechischen Kultur zugetan, versuchte er, seinen Untertanen hellenistische Bräuche aufzuzwingen und alles jüdische zu verbieten. Bei einer heidnischen Feier in Modi'in (auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv) erschlug der alte Priester Mattathias aus dem Haus der Hasmonäer einen Juden, der an dem Fest teilnehmen wollte. Der Rebell floh in die Berge, wo er gemeinsam mit seinen fünf Söhnen den Aufstand der Makkabäer (Hammerschwinger) führte. In dieser Guerilla gelang es ihnen, den übermächtigen Seleukiden einige Niederlagen zuzufügen. Nachdem der Tempel drei Jahre lang durch heidnische Riten entweiht worden war, gelang es dem Juda Makkabi Jerusalem zurückzuerobern. Er war es, der im Tempel die Lichter wieder anzündete, ein Ereignis, dessen das jährliche Chanukka-Fest noch heute gedenkt. Als das Seleukidische Reich 129 v.Chr. in einem Bürgerkrieg zerfiel, gelang es dem Johan Hyrkanos, einen völlig unabhängigen Staat zu gründen. Die Dynastie der Hasmonäer weitete die Grenzen bis fast zu denen Davids aus, indem sie das Volk der Idumäer im Süden zum Übertritt zwang und die Samaritaner im Norden unterwarf. Einige griechische Städte blieben verschont. Doch bald zeigte es sich, daß die Dynastie den steigenden inneren Unruhen nicht gewachsen war; Stein des Anstoßes waren das Amt des Königs und das des Hohepriesters. Die Partei der Sadduzäer, Konservative aus den Reihen der Priester, der Aristokratie und der Grundbesitzer setzte sich für die absolute Monarchie ein, während die Partei der Pharisäer, der allgemeinen Bevölkerung, eine demokratische Trennung ziviler und religiöser Funktionen forderte. Der ausbrechende Bürgerkrieg brachte den Römern den Vorwand, in Judäa zu intervenieren und es an ihr Imperium anzuschließen. 63 v.Chr. marschierte Pompejus in Jerusalem ein und ließ die Verteidiger oben am Tempelberg niedermachen.

 

VON DEN RÖMERN BIS ZUR ARABISCHEN EROBERUNG,636 n.CHR.

 

Um 37 v.Chr. gelang es Herodes dem Großen, sich von den Römern zum König von Judäa ausrufen zu lassen, doch es war ein wackeliger Thron , den er da bestieg. Mit Blitzesschnelle beförderte er Verwandte und Thronanwärter ins Grab. Von dauernder Angst vor Krieg und Bürgerkrieg getrieben, baute er gut befestigte Paläste, wie Massada und Herodion, um nötigenfalls sich auf diese Berge mitten in der Wüste zurückzuziehen. Doch regten auch andere Erwägungen seine Baupolitik an: Caesarea wurde zu Ehren des regierenden Kaisers erbaut, und sein bedeutendstes Werk, der Wiederaufbau des Tempels von Jerusalem - ein Prachtbau, neben dem Salomons Meisterwerk schier erblaßt wäre - stellte einen Versuch dar, die aufgebrachte jüdische Bevölkerung zu besänftigen. Herodes starb vier Jahre vor der Geburt Jesu. Die Juden Palästinas sehnten sich nach der Unabhängigkeit. 66 n.Chr. kam es schließlich im ganzen Land zum offenen Aufstand. Die ersten Versuche der Römer, die Revolte niederzuschlagen, mißlangen. Im darauffolgenden Jahr jedoch fielen die galiläischen Vorposten wie Dominosteine dem römischen General Vespasian zu. Jerusalem konnte sich noch bis 70 n.Chr. verteidigen; dann stürmte Vespasians Sohn Titus die Mauern und nach einem fürchterlichen Gemetzel ging der ganze Tempel in Flammen auf. Drei Jahre später fiel die letzte Festung - Massada. Die politische Freiheit der Juden war nun endgültig verloren, doch hielten sie an ihrem religiösen Leben beharrlich fest und errichteten Synagogen, um den zerstörten Tempel zu ersetzen. 132 n.Chr., als Kaiser Hadrian die Einhaltung des Sabbats und die Beschneidung verbot, kam es zu einem neuerlichen Aufflackern jüdisch nationaler Gefühle. Unter der kühnen Führung Simon Bar Kochbas und mit dem geistigen Zuspruch des Rabbi Akiba konnten sich die Rebellen zunächst auf dem Kampffeld behaupten. Das römische Jerusalem kapitulierte und drei Jahre lang waren die Juden in ihrem Land wieder unabhängig. Doch dann fiel wieder Roms Gewalt über sie: Bar Kochba wurde in Betar, seiner letzten Festung (südwestlich von Jerusalem), erschlagen, Rabbi Akiba gefangen genommen und zu Tode gefoltert. Um Jerusalems Andenken völlig auszulöschen, machte Hadrian es dem Erdboden gleich, und errichtete auf den Trümmern eine neue Stadt: Aelia Capitolina. Wo einst der Tempel gestanden hatte, baute er nun dem Jupiter ein Heiligtum. Für drei Jahrhunderte waren die Juden nun aus der Stadt verbannt. In Galiläa fanden sie Zuflucht und verlagerten ihren obersten Rat, das Sanhedrin, nach Bet Schearim, zwischen Karmel und dem Oberen Galiläa. Hier wirkten große rabbinische Gelehrte, deren bedeutendster wohl Rabbi Jehuda Hanassi war, der im 3. Jahrhundert die mündlich überlieferte Lehre niederschreiben und zur Mischna zusammenfassen ließ. Vom 4. Jahrhundert an machte sich in Palästina eine neue Kraft bemerkbar, als Kaiser Konstantin und seine Mutter die Kaiserin Helene sich zum Christentum bekannten. Sie gaben Jerusalem, der Stadt Davids und der Kreuzigung Christi, ihren Namen wieder. An allen Plätzen, die mit Leben und Tod Jesu in Verbindung gebracht wurden, errichtete man Kirchen und christliche Pilger strömten in das Land. Bis zum 7. Jahrhundert wurden im ganzen Land byzantinische Basiliken erbaut. Noch heute können ihre Überreste von St. Katherina im Süden bis Kfar Kana im Norden und von Aschkelon im Westen bis Massada im Osten bewundert werden. 614 n.Chr. überfluteten Chosru II und seine persischen Scharen Palästina, zerstörten viele Kirchen und töteten Tausende von Christen. Als die Perser 629 dann wieder vertrieben wurden, rächte sich der byzantinische Kaiser Heraklius an den Juden, die für die Perser Partei ergriffen hatten. Inzwischen war über Arabien Mohammeds Stern aufgegangen. Als er 632 starb, stießen die Moslems nach Palästina vor.

 

VON DER ARABISCHEN EROBERUNG BIS ZU DEN KREUZFAHRERN, 1099

 

Unter arabischer Herrschaft wurde das Land immer wieder von Erdbeben und Bürgerkriegen erschüttert; die Araber erbauten nur eine Stadt - Ramle, die Suleiman im 8. Jahrhundert zu seiner Hauptstadt machte. Von dieser einen Ausnahme abgesehen, lag Arabiens Hauptstadt immer außerhalb Palästinas: in Bagdad oder in Damaskus. Ihr eindrucksvollstes Vermächtnis ist der Felsendom in Jerusalem, eine prächtige Moschee, deren Bau im 7. Jahrhundert vom Kalifen Abd-el-Malik angeordnet wurde. Heute steht neben dem Felsendom die El-Aksa-Moschee, in der noch die Überreste des ersten Bethauses zu sehen sind, das Abd-el-Maliks Sohn, der Kalif Walid erbauen ließ. Die Herrschaft der Umaijaden war tolerant; Pilgerreisen wurden wegen der guten Erträge, die sie den herrschenden Klassen einbrachten, unterstützt. Doch 750 rissen die Abassiden die Macht an sich und zwangen alle Nicht- Moslems, farbige Turbane zu tragen: gelbe für die Juden, blaue für die Christen und rote für die Samaritaner. Den neuen Herrschern fehlte es an Gebildeten und so waren es die Christen, die die meisten Regierungsämter innehatten. Im 11. Jahrhundert jedoch verboten die von Ägypten aus regierenden Fatimiden allen Nicht-Moslems das Ausüben solcher Ämter. Al Hakim, "der verrückte Kalif", zerstörte schließlich alle Kirchen und Synagogen und verbot Pilgerfahrten. Die Zerstörung der Grabeskirche erboste die Christen der Welt derart, daß der Weg für die Kreuzfahrer geebnet wurde. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts überwältigten die Seldschuken aus den zentralasiatischen Steppen die Herrscher Palästinas. Despotisch verbannten sie alle Pilger und verfolgten wiederum Juden und Christen. Auch das Wiederherstellen fatimidischer Herrschaft kam zu spät, um den unbändigen Zorn der christlichen Welt noch zu besänftigen.

 

VON DEN KREUZFAHRERN BIS ZU DEN OSMANISCHENTÜRKEN, 1517

 

Die Kreuzfahrer waren sowohl von Papst Urban II. wie auch von der religiösen Intoleranz der Moslems aufgestachelt worden. Zwischen Hammer und Amboß geraten, wurden die Juden in Europa niedergemetzelt und in Jerusalem, als die Christen es 1099 eroberten, in den Synagogen bei lebendigem Leibe verbrannt. Weder Juden noch Moslems durften nunmehr in der Heiligen Stadt wohnen. Es waren insgesamt sechs Kreuzzüge, mit denen das europäische Christentum sein Heiliges Königreich zu halten versuchte. Schließlich wurden sie aber doch vertrieben. Sie ließen sich mehrere Gelegenheiten entgehen, militärische Bündnisse zu schließen, waren kompromißlos, rieben sich selbst in inneren Zwistigkeiten auf und beuteten die einheimische Bevölkerung aus. Seit den Tagen Herodes hatte es keine derart intensive Bautätigkeit gegeben. Prächtige Kirchen und Klöster sowie mächtige Burgen wurden von Elat bis zu den Golanhöhen errichtet, um das Königreich zu schützen. 1144 fiel Edessa, was zum Zweiten Kreuzzug, hauptsächlich von Frankreich und Deutschland getragen, führte. Nach einigen Siegen kam es 1187 wiederum zu einer großen Niederlage, als die vereinigten Heere der nördlichen und ägyptischen Moslems unter der Führung Saladins die Kreuzfahrer bei Tiberias schlugen. 1191 landete Richard Löwenherz an der Spitze des Dritten Kreuzzuges, eroberte Akko, das zur Hauptstadt eines neuen Kreuzfahrerreiches wurde, welches sich von Jaffo bis Tyros erstreckte und dessen prächtige Kreuzfahrerburgen und Kirchen noch heute zu sehen sind. Im Jahre 1228 erlangten die Kreuzfahrer wieder die Herrschaft über Jerusalem, nachdem Kaiser Friedrich II. durch Verhandlungen die Rückgabe der Stadt erreicht hatte. Ihre Herrschaft hielt jedoch nicht lange, 1244 wurden sie von einem ägyptischen Söldnerheer vertrieben. Der Sechste und letzte Kreuzzug, der unter der Führung des französischen Königs Ludwig IX. stand, wurde 1249 von den Ägyptern vernichtend geschlagen. Bald darauf ergriffen in Ägypten die Mamelucken die Macht; unter ihrem Sultan Bajbars überfluteten sie Palästina, seine Nachfolger nahmen Akko und 1291 die letzte Kreuzfahrerfestung Atlit. An die lange Mameluckenherrschaft erinnern noch heute die Madrasas (Koranschulen, die an Moscheen angeschlossen sind), die vor allem in Jerusalem bewundert werden können. Systematisch zerstörten die Mamelucken die meisten Küstenstädte, um neue Kreuzzüge zu verhindern. Gaza, Ramle, Nablus aber blühten auf. Am Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu einer Wirtschaftskrise, die durch Seuchen und Erdbeben noch verschärft wurde. Um den Konflikt mit den osmanischen Türken finanzieren zu können, wurden hohe Steuern eingetrieben und der Bevölkerung große Opfer auferlegt. Mit einem Gefühl der Erleichterung wurde schließlich die Herrschaft der Türken in Palästina begrüßt.

 

VON DEN OSMANISCHEN TÜRKEN BIS ZUM BRITISCHEN MANDAT, 1917

 

Das Osmanische Reich erstreckte sich von Mitteleuropa und dem Balkan über Konstantinopel und Kleinasien bis nach Syrien, Ägypten und Palästina. Als Suleiman der Prächtige 1520 den Thron bestieg, schien ein neues Goldenes Zeitalter anzubrechen. Die gut funktionierende Verwaltung, und die Land und Leuten gewährte Sicherheit unterschied sich wohltuend von den Zuständen zum Ende der Mameluckenherrschaft. Suleiman ließ die Stadtmauer und deren Tore, die bis heute noch zu sehen sind, rund um Jerusalem errichten. Er stattete den Felsendom neu aus und gewährte Christen wie auch Juden weitgehende Selbstverwaltung. Allerdings mußten sie als Nicht-Moslems besondere Steuern entrichten. Die Bevölkerung wuchs auf 300000 Seelen, von denen vier Fünftel Bauern waren. Safed und Tiberias nahmen jüdische Flüchtlinge aus Spanien auf, unter denen sich die größten Gelehrten dieser Zeit befanden. Doch noch vor dem Ende jenes Jahrhunderts setzte jenes Ausmaß an Korruption, Ausbeutung und Schlampigkeit ein, das zum Charakteristikum osmanischer Herrschaft in Palästina werden sollte. Die Disziplin in der Armee brach immer wieder zusammen. Einer derer, die dem Sultan ihren Gehorsam verweigerten, war Fakhr Al-Din, ein Drusenführer aus dem Libanon. Er befriedete das von Terror geplagte Galiläa und dehnte seinen Einflußbereich auf fast ganz Palästina aus, bevor die Osmanen die Herrschaft zurückerlangen konnten. Erpressung wurde gang und gäbe; Pilger wurden auf Schritt und Tritt ausgebeutet; Juden wurden entführt und von ihren Gemeinden hohe Lösegelder erpreßt. Die landwirtschaflichen Siedlungen gingen ein und das Land verkam noch mehr, als die Bauern immer größere Steuerlasten zu tragen hatten. Nur mit ausländischer Hilfe gelang es den Türken, die Eroberung Palästinas durch Napoleon abzuwenden. Als der ägyptische Pascha Mohammed Ali zwischen 1832 und 1840 seine Herrschaft über Palästina ausbreitete, wurden weite Teile ds Landes abgeholzt und das Holz zur Errichtung einer Flotte verwendet. Andrerseits wurde das Land westlichem Einfluß geöffnet, indem der Pascha christliche Missionen und Schulen, insbesondere in Jerusalem, errichten ließ und archäologischen Expeditionen die Arbeit gestattete. Als die europäischen Großmächte den Zerfall des Osmanischen Reiches voraussahen, begannen sie um Einfluß im Heiligen Land zu kämpfen. Unter dem Vorwand religiöse Institutionen und Orden zu erhalten, bauten sie ihren rechtlich - politischen Einfluß in Palästina aus. Gegen Ende der Osmanischen Herrschaft begann die verstärkte jüdische Einwanderung nach Palästina. Flucht vor Pogromen in Osteuropa und Rußland waren dafür ebenso verantwortlich wie das wieder erwachte Ideal, das Land Israel neu zu besiedeln. Diese Tatsache und Theodor Herzls Ruf nach einem freien Staat für die Juden, ein Gedanke, der in seinem Buch "Der Judenstaat" und beim Ersten Zionistenkongreß 1897 proklamiert wurde, nahmen schließlich auf die Ereignisse in Palästina starken Einfluß. Als der erste Weltkrieg ausbrach (die Türkei kämpfte an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns), galt der Zionismus bereits als gefestigte politische Realität. 1917, nach genau 400-jähriger Herrschaft, übergaben die Osmanen Palästina der britischen Armee unter ihrem General Allenby.

 

VOM BRITISCHEN MANDAT BIS ZUR STAATSGRÜNDUNG, 1948

 

Kurz bevor die Türken vertrieben worden waren, bestätigte die britische Regierung eine Erklärung ihres Außenministers Lord Balfour, der sich für die "Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" aussprach". Die Balfour Deklaration versprach, daß die britische Regierung "die größten Anstrengungen machen werde, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern". Während der ganzen Zeit des Völkerbundmandates sah britische Politik aber anders aus: in Untersuchungskommissionen und Weißbüchern beugten sich die Briten dem Druck arabischer Extremisten. Jedes arabische Pogrom, jede Ausschreitung gegen Juden brachte sofort eine massive Beschränkung der Einwanderungsquote mit sich; vom Geist und Buchstaben der Balfour Deklaration konnte kaum noch krasser abgewichen werden. Von 1933 bis 1936 erreichten fast 165000 Juden, die dem Naziregime entkommen waren, Palästina als legale Einwanderer. Nach den Vorkommnissen von 1936 jedoch, forderte die Peel-Kommission eine Teilung, wobei die Juden lediglich Galiläa und die Küstenebene bekommen sollten. David Ben Gurion und Chaim Weizmann , die bedeutendsten Köpfe der jüdischen Führung, nahmen diesen Kompromiß an, die Araber verwarfen ihn. Nach vielen Ausschreitungen bis 1939 ließen die Briten schließlich von diesem Plan ab. In der Folge wurde durch ein Weißbuch den Juden sowohl Einwanderung als auch Erwerb von Grund und Boden erheblich erschwert. Ben Gurions lakonischer Ausspruch über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges dokumentiert den jüdischen Standpunkt: "Wir müssen die Briten im Krieg unterstützen, als gäbe es kein Weißbuch. Doch müssen wir das Weißbuch bekämpfen als gäbe es keinen Krieg." Britische Truppen starteten Blitzaktionen gegen die jüdische Selbstverteidigungsorganisation, Haganah, und illegale Schiffe durften ihre jüdischen Flüchtlinge aus Europa nicht an Land gehen lassen. Dennoch landeten zwischen 1934 und 1948 118 Schiffe mit insgesamt 107000 "illegalen Einanderern" in Palästina. Diejenigen, die von den Briten gefangen wurden, wurden in Konzentrationslager auf Zypern deportiert und in entfernten britischen Kolonien gefangengehalten. Viele mußten nach Europa zurück. Auch Mitglieder der beiden anderen jüdischen Widerstandsgruppen, Lechi und Ezel, wurden verfolgt und eingesperrt. Die öffentliche Meinung wandte sich von den Briten ab. 1946 lehnten die Briten eine Empfehlung der anglo-amerikanischen Kommission zur sofortigen Aufnahme von 100000 Juden ab. Das Ergebnis war Wiederaufleben von Gewalt, Sabotage und Terrorismus. Am "Schwarzen Samstag" wurde die jüdische Führung festgenommen, doch ging der bewaffnete Widerstand weiter. Schließlich verkündeten die Briten, daß sie Palästina nicht länger verwalten könnten. 1947 stimmten die Vereinten Nationen für die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat und die Internationalisierung Jerusalems. Die Araber lehnten diesen Plan grundwegs ab und stürmten, mit der passiven und teilweise aktiven Unterstützung britischer Behörden, jüdische Transporte und Siedlungen. Als am 14.Mai 1948 die Briten abzogen, riefen die Juden den unabhängigen Staat Israel aus und arabische Armeen überfielen das Land.