Ein Kibbuzveteran sagte einmal von sich und seinen Genossen: "Wir sind
wahre Kommunisten - mit dem einen Unterschied - wir tun es freiwillig."
Das ist das Zauberwort, dem die Kibbuze ihre Lebenskraft verdanken und das sie von
einem erstaunlichen Erfolg in den nächsten treibt. Ganz freiwillig stehen sie
an der Spitze derer, die den Boden urbar machen, das Land nähren und die
Grenzen schützen. Sie sind das Rückgrat der Führerschaft in Politik und
Verteidigung.
Vor 80 Jahren ist der erste Kibbuz, Deganja, gegründet worden, heute ist die Kibbuzbewegung wichtiger Teil der israelischen Industrie. Die Kibbuzbewegung mit ihren über 230 Kibbuzen (sie stellen etwa 4% der israelischen Gesamtbevölkerung dar) verdankt ihre Dynamik ihrer Gesellschaftsphilosophie: ihre Grundsätze sind der Glaube an die Würde der Arbeit, die Gleichheit ihrer Mitglieder und die Bereitschaft, persönliche Interessen zugunsten des Allgemeininteresses zurückzustellen.
Die Generalversammlung sorgt für demokratische Regelung der Alltagsprobleme. Sie tagt für gewöhnlich einmal wöchentlich im gemeinsamen Speisesaal und ermöglicht jedem sowohl in wesentlichen als auch in nebensächlichen Dingen die Mitbestimmung. Außerdem haben sich die Kibbuzim im Laufe von acht Jahrzehnten bis zur Unkenntlichkeit verändert. Sie waren ursprünglich von Stacheldraht umgebene Vorposten. Über Nacht errichtete Türme und Einpfählungen stellten die Briten bei Tagesanbruch vor vollendete Tatsachen. Heute haben einige der größeren Kibbuzim bereits drei- bis vierstöckige Wohnhäuser.
Sie sind großzügig angelegt, haben klimatisierte Speisesäle - meistens mit Selbstbedienung - ; manche haben archäologische und naturgeschichtliche Museen und Kunstgalerien. Einige der älteren Kibbbuzim haben ihre Gründungsbauten restauriert und so Museen zur Geschichte der Kibbuzbewegung geschaffen. Industriegelände und Bauernhöfe stehen oft friedlich nebeneinander.
Es gibt Schwimmbecken nd Basketballplätze, Bibliotheken, Fernsehräume, Kaffeestuben und große Säle für Theater-, Film-, oder Tanzveranstaltungen. In allen Teilen des Landes findet man Kibbuzim mit Gästehäusern für Touristen, Campingplätzen und Jugendherbergen. Die Kriminalitätsquote im Kibbuz ist äußerst gering. Der Kibbuz ist reich an kulturellen Aktivitäten, besonders was israelische Folklore anbelangt.
Das Erntedankfest, eines der bedeutendsten jährlichen Ereignisse biblischer Zeiten, ist besonders eindrucksvoll. Ebenso das Passahfest , das mt Chören, Ballettaufführungen und Pantomime den Auszug der Juden aus Ägypten feiert. Während die verschiedenen Kibbuzim einander in ihrer Struktur gleichen, unterscheiden sie sich oft in ihren religiösen und politischen Anschauungen.
Jeder Kibbuz ist einer der verschiedenen Kibbuzföderationen zugehörig, die das politische Spektrum von weit links bis zum rechten Zentrum repräsentieren. So wird zum Beispiel in religiösen Kibbuzim der Schabbat eingehalten und selbst die elektrisch betriebenen Melkmaschinen stehen dort am Samstag still. Die nichtreligiösen Kibbuzim hingegen befolgen nicht die Speisegesetze und vielfach geht dort sogar der Versöhnungstag völlig unbemerkt am Alltag vorüber.