DAS CHRISTENTUM        

 

Im Gegensatz zum Judentum verdankt das Christentum seine Anwesenheit und das Vorhandensein seiner Heiligtümer im Heiligen Land einem Einzigen - Jesus Christus. Für jene, die Jesu Leben gern chronologisch betrachten, ist Bethlehem zweifellos die erste Stätte, die sie besichtigen werden. Danach wird man Nazareth sehen wollen, die Stadt, in der er aufwuchs und aus der er später als falscher Prophet verbannt wurde. Nicht weit von dort liegt Kfar Kana, die Stätte des ersten von ihm vollbrachten Wunders beim Hochzeitsfest, ebenso Kapernaum, sowie der Berg der Glückseligkeit am Ufer des Sees Genezareth, an dem Fischer zu Aposteln wurden und wohin hunderte von Menschen kamen, um die Wunder Christi zu sehen und seine unsterblichen Worte zu hören.

 

Die Schlußakte seines kurzen Lebens spielten in Jerusalem, wo er gefangengenommen, verurteilt und gekreuzigt wurde. Hier liegt die Via Dolorosa, durch die er das Kreuz trug, um am Kalvarienberg zu sterben, sowie eine Vielfalt anderer heiliger Stätten. Weit verbreitet im Heiligen Land ist eine Erscheinung, die von allen monotheistischen Religionen einzig und allein das Christentum hervorgebracht hat: schon seit Jahrhunderten ziehen sich Mönche in Einöde und Wildnis zurück, um ihr Leben einzig dem Gebet zu weihen.

 

In der Judäischen Wüste findet man Höhlen und an kahlen Berghängen kühn angelegte Klöster, in die sich die Eremiten seit den Anfängen des Christentums immer wieder zurückgezogen haben. Da den Christen auch der Berg Sinai heilig ist, entdecken Touristen auch im Negew Spuren vieler byzantinischer Kirchen und Kapellen, die den Weg der Pilger nach dem Süden kennzeichnen. Gemessen an der Vielzahl ihrer heiligen Stätten ist die Zahl der christlichen Bevölkerung in Israel gering. Es sind ihrer etwa 88000, von denen die meisten christliche Araber sind. Von den dreißig christlichen Gemeinden sind die wichtigsten griechisch-katholisch, griechisch-orthodox, katholisch und maronitisch.

 

Es gibt außerdem an die 3000 Protestanten (Anglikaner, Presbyterianer, Baptisten und Lutheraner und 3500 Angehörige der Ostkirchen (Armenisch-Orthodoxe, Kopten, Äthiopier und Syrisch-Orthodoxe). Einige 12000 Christen leben in Jerusalem; auch in Galiläa gibt es einige christliche Ortschaften. Die meisten Heiligtümer werden von den Franziskanern mit ihren braunen Kutten, nach wiederholter Zerstörung durch die Moslems, verwaltet. Es mag Sie vielleicht überraschen, ein wenig über die besonderen Beziehungen zwischen den christlichen Sekten zu erfahren; das Verhältnis wird oft von früheren Zwisten geprägt, als um den Anspruch auf die wesentlichen Heiligtümer manchmal sogar mit Gewalt gekämpft wurde.

 

Heute wird eisern am Status Quo festgehalten. Wenn Sie die Geburtskirche in Bethlehem, oder die Grabeskirche in Jerusalem besuchen, werden Sie das tägliche Ritual griechisch-orthodoxer, armenisch-orthodoxer und römisch-katholischer Priester beobachten, die auf streng geregelten Wegen zu ihrem jeweiligen Altar gehen, um nach einem peinlich genau festgehaltenen Zeitplan ihren Gottesdienst abzuhalten. Christliche Pilger sollten Israel zu Ostern oder Weihnachten besuchen; der farbenfrohe Osterzug zum Ölberg am Palmsonntag versinnbildlicht Jesu glorreiche Rückkehr nach Jerusalem. Ein Weihnachtsabend inmitten von Tausenden Weihnachts-liedersängern am Krippenplatz in Betlehem ist zweifellos der Höhepunkt aller christlichen Pilgerfahrten ins Heilige Land. Das Fremdenverkehrsministerium hat eine eigene Abteilung für Pilger.