DAS JUDENTUM
Das Judentum ist die älteste der drei Religionen und erstmals seit der
Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n.Chr. und ihrer Vertreibung in alle Welt
dürfen die Juden uneingeschränkt ihre Religion wieder ausüben. Der Sabbat und
die Hohen Feiertage - Rosch Haschana und der Versöhnungstag (Jom Kippur) - sind
nationale Feiertage und alle Ämter bleiben geschlossen, egal, ob ihre
Angestellten in die Synagoge oder zum Picknick gehen wollen. Mit seinen
dreieinhalb Millionen Juden ist Israel das einzige Land der Welt, in dem die
Juden die Mehrheit bilden. Jarmulkas (Käppchen) und Pejot (Schläfenlocken)
prägen das Bild ebenso wie die Hebräische Schrift oder Davidssterne an der
Halskette.
Die Redewendung "Baruch Haschem" (Gesegnet sei Sein Name) ist ebenso geläufig wie das "LeChaim" (Zum Leben) beim Glas Wein. Wenn die Juden am Freitag ihren Arbeitsplatz verlassen, wünschen sie einander "Schabbat Schalom" (einen friedvollen Sabbat). Und am Versöhnungstag, wenn Gott sein Urteil über alle Menschen spricht, und entscheidet, wer ins Buch des Lebens eingeschrieben werden soll, wünschen die Israelis einander "Chatima Towa" - einen günstigen Siegelspruch. Der Brit Mila (Beschneidung) wird sieben Tage nach der Geburt eines Jungen oft im großen Rahmen gefeiert; es nehmen oft bis zu hundert Gäste an der Feier teil und stoßen auf das Wohl der Eltern und des Kindes an.
Das jüdische Heim ist eine Stätte des Allmächtigen und selbst die ungläubigsten Israelis haben eine "Mesusa" (ein Pergamentröllchen mit heiligen Versen) an ihren Türpfosten, um jedem Eintretenden daran zu erinnern, daß dies ein jüdisches Haus ist. Im Sinne der Unabhängigkeitserklärung ist Israel jenes Land, in dem "die Juden entstanden sind, und wo sich ihr geistiger, religiöser und nationaler Charakter geprägt hat". Diese drei Aspekte sind inzwischen zu einer Einheit verschmolzen. Eltern haben jedoch das Recht, ihre Kinder in eine staatlich-religöse Schule oder in eine andere Schule zu schicken.
Die Bibel, die Mischna und der Talmud jedoch gehören zum Lehrplan jeder Schule. Höchste religiöse Instanz ist das Oberrabbinat mit einem aschkenasichen und einem sefardischen Oberrabbiner und dem Obersten Rabbinischen Rat. Er entscheidet über die Interpretationen des jüdischen Rechts in Angelegenheiten, die über die Entscheidungsmacht der acht regionalen Rabbinatsgerichte und des rabbinischen Berufungsgerichtshofes hinausgehen. Das Judentum ist mehr als eine Religion, es ist ein Lebensstil.
Außer den 10 Geboten enthält die Torah Speisevorschriften und sowohl die Armee, wie auch alle öffentlichen Institutionen achten darauf, daß ihre Speisen koscher zubereitet werden. Das Judentum symbolisiert eine Geschichte von aufflackernder Freiheit und düsteren Zeiten von Leiden und Verfolgungen. Deshalb sind viele jüdische Feiertage Danksagungsfeste für wiederholte Erlösung; sie erhalten in Israel, wo Freiheit nur durch Wachsein gegenüber feindlichen Nachbarn gewährleistet ist, besondere Bedeutung. Das Thema der Erlösung kehrt in fast allen jüdischen Festtagen wieder, von denen viele erst wieder gefeiert werden, seit die Juden wieder Herren ihres eigenen Landes sind. Die Pilgerreisen nach Jerusalem zu Passah, Schavuot und Sukkot, Jahresfeste des jüdischen Festtagskalenders biblischer Zeiten, wurden erneuert und werden heute in großem Glanz gefeiert.